Lilienthal-Gymnasium Berlin
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Bewertungsmatrix Gesellschaftswissenschaften
Philosophieunterricht will unser Verständnis von uns selbst und der Welt überprüfen. Keines der philosophischen Themen und Probleme ist bloßer Bildungsstoff, alle sind existenziell verankert, betreffen also direkt oder indirekt uns. Die Entwicklung einer philosophischen Perspektive geschieht immer im Zusammenhang mit menschlichen Problemlagen und Lebensbedingungen.
Über das hinaus, was man durch die Kenntnis der großen Werke des philosophischen Kanons an Einsicht, an Verständnis über sich und die anderen gewinnt, können sie vielleicht helfen, besser und freier zu leben.
Fast alle unsere Gedanken und Überzeugungen, aber auch unsere Werte, schreiben sich in die großen Gedankengebäude und Weltanschauungen ein, die im Laufe der Ideengeschichte bereits aufgestellt und entwickelt worden sind. Sie zu verstehen ist unumgänglich, will man ihre Logik, ihre Tragweite und ihre Risiken erfassen.
Philosophieunterricht eröffnet einen Zugang zu dieser Tradition des Denkens, zu einer ungeheuren Vielfalt unterschiedlicher und oft kontroverser Problemzugänge und Denkmodelle. In der Auseinandersetzung mit ihnen können wir unsere eigene Position in der Welt genauer bestimmen.
Gerade den Jugendlichen kann die Philosophie faszinieren: Als Argumentationsstrategie, als Lebenshilfe, als gedankliche Orientierung, als Erschließung des Ganzen der Lage des Menschen.
Philosophieren heißt vor allem Reflektieren — philosophische Reflexion als kritische Denktätigkeit, dies die zentrale Kompetenz des Faches, dringt jedoch tiefer als alltägliches Nachdenken. Sie geht zwar aus von den Meinungen und Vorstellungen, die sich ein jeder von uns tagtäglich macht, und die unserem Denken, Erkennen und Handeln zugrunde liegen, stellt diese Vorstellungen jedoch zugleich infrage und befähigt uns, dogmatisches Denken, Wissensvorgaben, landläufige Meinungen, die wir ungeprüft übernommen haben, und ungedeckte Erkenntnisansprüche zu durchleuchten.
Philosophieunterricht wird deshalb wesentlich von der Lektüre und Diskussion philosophischer Texte getragen und inspiriert. Der interpretierende und kritische Umgang mit ihnen hat den Zweck, zu eigenem Denken anzustiften. Im Philosophieunterricht kann man lernen, klar zu sagen, was man denkt, und genau zu überdenken, was man sagt.
Uwe Fricke
28. Februar 2010