Lilienthal-Gymnasium Berlin
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Am 25. November machten sich über 40 (vierzig!) Schülerinnen und Schüler der 8.2 und 8.4 freiwillig (!!!) auf in die Deutsche Oper zu „Carmen“. Bereits am Wandertag waren diese beiden Klassen in der Deutschen Oper und inspizierten den Bereich „back stage“.
Und nun als Höhepunkt der Opernbesuch!
Ein toller Erfolg für Frau Franz, der Organisatorin und Musiklehrerin,
und alle Begleiter – anbei der Erlebnisbericht von Konstantin Winkler aus
der 8.2, für den wir herzlich danken!
Am Freitag, den 9. November 2012 fuhr unsere Klasse mit Frau Gläser und Frau Franz zur Deutschen Oper Berlin. Wir waren zu einem Spaziergang hinter die Kulissen eingeladen. Bei Ankunft an der Deutschen Oper gingen wir zum Personaleingang, dort begegneten uns Sänger und Musiker. Wir warteten dort auf unsere beiden Führer durch Haus, welche Timo und Jörg hießen. Schließlich kamen die beiden und führten uns zuerst zur Garderobe, dann wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt. Unsere Gruppe ging mit Timo zum Haupteingang und er erzählte uns dort die Geschichte der Deutschen Oper. In diesem Jahr feiert das Opernhaus 100-jähriges Bestehen. Die reichen Charlottenburger schlossen sich zusammen und bauten ein Opernhaus für alle, welches 1912 eröffnet wurde. Die Deutsche Oper sollte ein Gegenentwurf zur Staatsoper Unter den Linden sein, welche sehr prunkvoll ausgestattet ist und getrennte Eingänge für Reiche und bürgerliche Besucher hatte. Die Deutsche Oper hingegen hat einen großen Eingang für alle. 1944 wurde sie größtenteils zerstört und 1961 neu eröffnet, so wie wir das Gebäude heutzutage kennen.
Danach gingen wir durch eine Tür, über der „1. Rang“ steht, die Treppe hoch zum Foyer. Oben angekommen setzten wir uns auf eine weitere Treppe und er erklärte uns die Verhaltensregeln, zum Beispiel, dass man leise sein sollte und nicht filmen darf. Bei einem Opernbesuch sollte man sich angemessen und schick kleiden, aber man darf auch in Alltagskleidung erscheinen. Timo erzählte uns, dass die billigsten Karten für Sozialhilfeempfänger (wenn noch ein Platz frei ist) 3 Euro, die teuersten Karten bei einer Premiere 160 Euro kosten.
Anschließend gingen wir zum Zuschauerraum und setzten uns ins Parkett. Es gibt zwei Ränge und zusätzliche Logen, welche auch Schwalbennester genannt werden. Von allen Plätzen hat man einen guten Blick zur Bühne. Am nächsten Abend sollten besondere Künstler ein Konzert zugunsten der Aidshilfe geben und Mercedes hatte als Tombolagewinn eine A-Klasse gesponsert, welche auf der Bühne stand. Nach dem Konzert sollte es eine Party geben. Im Zuschauerraum finden bis zu 2000 Menschen Platz. Die Bühne kann bis zu dem Tor von 40 m genutzt werden, diese wird aber nur bei Wagners „Ring der Nibelungen“ in voller Länge genutzt. Der Orchestergraben war bei unserer Ankunft oben und kann seine Tiefe auch verändern, zum Beispiel bei „Carmen“ ist er 3 bis 3,5 m tief, erklärte uns Timo. Bei größerer Orchesterbesetzung wird der Orchestergraben tiefer gefahren als bei kleinerer Besetzung, wegen des Klanges. Außerdem sahen wir einen Tisch im Parkett, welcher nur bei Proben vom Regisseur oder Beleuchtungsmeister genutzt wird. Danach gingen wir zum 2. Rang und Timo erklärte uns von dort oben, das man sich ein Opernglas ausleihen könne, damit man eine bessere Sicht habe. Später sahen wir einen gepolsterten Fahrstuhl, in dem Requisiten transportiert werden können und dessen Polsterung als Schutz dient.
Bevor wir auf die Bühne gingen, erzählte uns Timo Geschichten aus dem Alltag der Bühnenarbeiter. Ein Kollege stürzte einmal vom Opernturm, brach sich das Rückgrat und verstarb. Timo selbst stürzte bei einer Aufführung auch und fiel in den Orchestergraben.
Wir lernten viel über Bühnentechnik. Man kann einige Teile der Bühne bis 11 m tief fahren und der höchste Punkt ist der Bühnenturm, von welchem man, wenn der Vorhang geschlossen ist, die Bühnenbilder runterlassen kann. Während die eine Kulisse von der Bühne auf eine Nebenbühne geschoben wird, wird die nächste Kulisse von einer anderen Nebenbühne auf die Bühne geschoben. Der Inspizient koordiniert über die Monitore alles. Desweiteren gibt es Monitore, über die die Schauspieler den Dirigenten beobachten können, um ihren Einsatz nicht zu verpassen.
Timo berichtete außerdem, dass es ca. 70 verschiedene Aufführungen pro Jahr gibt. Danach gingen wir zum Beleuchtungsbereich. Dort standen Regale mit verschiedenen Folien, welche man vor die Scheinwerfer stecken kann, um die Farbe des Lichtes zu wechseln. Einige Kameras kosten, so Timo ca. 1000 Euro. Wir gingen durch einige Türen und kamen im Kulissenmagazin an, welches hinter der Bühne ist und wo alle Bühnenbilder und Requisiten gelagert werden. Dort war alles zugestellt und wir hatten Mühe durchzukommen. Wir sahen zwei Vasen und das Stadttor, welche mit „Carmen“ beschriftet waren.
Timo zeigte uns ein Bühnenbild von der Oper „Tosca“, welches mit 43 Jahren das älteste Bühnenbild ist. Er erzählte uns, dass man, wenn man ein neues Bühnenbild zur Oper gebaut hat, das alte wegwirft. Wir gingen weiter und sahen ein Nashorn, bei welchem man den Kopf bewegen konnte, aus der „Zauberflöte“. Wir betrachteten ein Brett mit Löchern, und roten und gelben Streifen. Timo berichtete uns, dass man mit Luft von unten und Licht es so darstellen kann, dass es wie Feuer wirkt. Und er behauptete, dass man schon zwei Jahre im Voraus den Opernplan und die Besetzung kennt, damit die Künstler rechtzeitig engagiert werden können.
Überall auf den Wänden stand „Rauchen verboten“ und Timo sagte, dass wegen der hölzernen Kulissen Brandgefahr droht. Nun verließen wir das Kulissenmagazin und gingen einen Flur entlang. Timo zeigte auf eine Tür und sagte, dass sich dort die Maskenbildner aufhalten. Er erklärte, dass die Künstler sich in den Kabinen umziehen, über die Lautsprecher wird mitgeteilt, wer wann dran ist und sie dann nach Aufruf durch eine Tür links auf die Bühne kommen. Bei einer Opernaufführung wirken 200 bis 400 Personen insgesamt mit.
Zum Schluss gingen wir durch einen Flur und Timo zeigte uns einige Aufnahmen der Oper von früher und sagte, dass das Gebäude nach dem Krieg neu aufgebaut werden musste. Lediglich der Turm wurde vom Krieg verschont.
An diesem Vormittag konnten wir die Oper aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen und fuhren danach nach Hause.
Konstantin Winkler 8.2